Nav view search

Navigation

2. Seit Gründung des heutigen Orchesters - 1951 bis 2000

 

Noch im Jahr 1951 gesellten sich zu dem Bläsersextett mehrere Angehörige des Streichorchesters und einige ehemalige Mitglieder der Musikkapelle Hergl. Eine eifrige Mitgliederwerbung setzte ein. Bald war ein Dirigent nötig. Der Finanzbeamte Florian Hager, erfahren als Militärmusiker und Dirigent des Salonorchesters, stellte sich zur Verfügung. 

Dieser musste allerdings 1951 aus dienstlichen Gründen Waidhofen verlassen, und so übernahm der Drogist Lambert Biedermann, der ebenfalls Militärmusiker (noch zu k.u.k. Zeiten) und lange Zeit Dirigent von Blaskapellen und des Vereinssalonorchesters war (er war auch der letzte Kapellmeister der Bürgerkorpsmusik bis 1933), die Leitung.

Der Gesangsverein und die Stadtgemeinde unterstützte die Kapelle finanziell. Kommerzialrat Roth war der Mann, der damals das Singspiel "Unter der blühenden Linde" nach Waidhofen brachte. Achtzehnmal ging es über die Bretter der Vereinshausbühne. Für die Blasmusiker war es das erste Debüt in der Öffentlichkeit. Ein Sonderapplaus begrüßte sie meist im 3. Akt, wenn sie als Bauernkapelle auf der Bühne aufmarschierten und einen Marsch bliesen, besonders dann, wenn Herr Dechant den Helikon spielte.

Probe am 27.Feb.1951, Dechant Winglhofer am Helikon

In weiser Voraussicht wurden damals bereits alle neuen Instrumente in "Normalstimmung" angeschafft und die vorhandenen "hochgestimmten" Instrumente provisorisch auf "Normalstimmung" ausgezogen. Das Blasorchester war jetzt bereits 23 Mann stark, und nach eifrigem Proben konnte zum 1. öffentlichen Konzert am 1. Juli 1951 in den Vereinshausgarten eingeladen werden. Das Programm wurde vorerst gemeinsam mit den Sängers bestritten.

1.Gartenkonzert am 1.Juli1951 im Vereinshausgarten

Im Sommer 1952 erfolgte der erste große Rückschlag für das Blasorchester. Es wirkte beim Sommerfest in Gars am Kamp mit. Mit dem Wind noch nicht vertraut, setzten sich die Musiker auf das Podium. Mitten in der "Salzburger Schlittenpost" entführte ein starker Wind einem Großteil der Musiker das so geliebte Notenblatt.

Wie im Wind die Blätter dahinrauschten, verebbten auch nach und nach die Töne. Herrn Kapellmeister Biedermann floss der kalte Schweiß von der Stirn, als er das besagte Stück ein zweites mal beginnen musste! Durch die entstandene Nervosität bedingt war auch die "Lustspiel-Ouvertüre" kein Glanzstück. Zerknirscht traten die wackeren Waidhofner von der Bühne ab.

Doch jede Niederlage trägt in sich den Keim zu neuem Antrieb. Dirigent Biedermann wurde durch dieses Garser Ereignis von nicht namhaft bekannten Bürgern der Stadt schriftlich der Unfähigkeit des Dirigierens bezichtigt. Er legte daraufhin im August 1952 den Dirigentenstab nieder.

Bei der folgenden Neuwahl wurde Karl Zlabinger zum Dirigenten gewählt. Der neue Dirigent nahm seine neue Aufgabe sehr gewissenhaft und genau. Seither erklingt das Blasorchester nicht nur bei der Umrahmung vieler Veranstaltungen, sondern es führt auch selbst Konzerte durch.

Konzert am 4.Aug.1955 im Vereinshaus unter Karl Zlabinger

1952: Erstes Wertungsspiel in Gars (damals noch Preisspiel)
1953: Jaroslav Carda erster Stabführer des BO, einheitliche Adjustierung mit Sängerkappen
1954: 1. Waldviertler Musikfest in Zwettl
1956: 1. Uniformierung

16.6.1957 Bezirksmusikfest in Schrems, Empfang unserer Kapelle

1960: Mitwirkung beim Kinofilm "Hohe Tannen"
1961: Einkleidung mit dem NÖ Festanzug
1964: Landesmusikfest auf der WIG 64 in Wien
1967: Erste umfassende ORF-Rundfunkaufnahmen

24.5.1957, Platzkonzert am Hauptplatz (noch in Kreisaufstellung!)

Mit einer zielbewussten Musikerheranbildung erreichte die Kapelle eine beachtliche Stärke. Durch die musikalischen Fähigkeiten Karl Zlabingers wurden mit dem Orchester viele 1. Ränge mit Auszeichnungen bei Wertungsspielen ereicht. Im Jahr 1972 wird Dir. Zlabinger, der zu den Gründervätern des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes gezählt werden kann, dessen Verbandsobmann-Stellvertreter.

Von 1970 bis 1973 leitete Franz Tippl das Blasorchester und machte sich durch die Anschaffung der neuen Bürgeruniformen besonders verdient.

Obwohl die Herren Walter Grießel, Rudolf Kurz und Johann Stumvoll an der Musikschule die Bläserausbildung durchführten, wurde der Ruf nach einem hauptberuflichen Musiklehrer und Kapellmeister immer lauter, da es fast unmöglich ist, diese enorme Aufgabe nebenberuflich zu lösen.

Der langjährige Kpm. Dir. Karl Zlabinger erkannte dies schon lange und hielt nach einem geeigneten Mann Ausschau. Der umsichtige Gemeinderat von Waidhofen a. d. Thaya gab dann sein Einverständnis für die Anstellung eines eigenen Blasmusiklehrers an der Städtischen Musikschule, welcher auch die Leitung des Blasorchesters übernehmen sollte.

F. X. Weigerstorfer dirigiert während eines Auftritts im Jahr 1977

Im März 1973 beginnt der aus Kärnten kommende Franz Xaver Weigerstorfer seine Arbeit. Im Juni 1974 findet das 1. Parkkonzert der neu gegründeten Jugendkapelle statt. Im selben Jahr kann man beim Herbstkonzert die 1. Aufführung des Blasorchesters auf "Kunststufenniveau" erleben ("Tirol 1809" und "Der Barbier von Sevilla").

ehemalige Jugendkapelle Waidhofen, Photo aus den frühen 80ern

Nach 5 Jahren intensiver Aufbauarbeit verlässt F. X. Weigerstorfer 1978  Waidhofen an der Thaya  und geht in seine Heimat nach Oberösterreich. Als Nachfolger wird Adolf Bayer angestellt, der die begonnene Jugendarbeit bis 1979 weiterführt.

Blasorchester Waidhofen 1976, unter Kpm. F. X. Weigerstorfer

Am 1.9.1979 übernimmt abermals Altkapellmeister Zlabinger die Kapelle, um sie am 1.1.1980 an Dir. Johann Stumvoll zu übergeben, welcher bis  April 2002 die musikalische Leitung innehatte.

14.9.1980 wieder entstandenes Bürgerkorps wird feierlich vereidigt

1980: Vereidigung des neuentstandenen "Privilegierten, uniformierten und bewaffneten Bürgerkorps"
Live Auftritt bei Heinz Conrads "Guten Abend am Samstag"
1981: 30 Jahre Blasorcherster Waidhofen/Thaya, Festkonzert
1982: 1. Besuch in unserer Partnerstadt Heubach (Deutschland)

Jugendkapelle Waidhofen mit Kpm. Werner Kainz, 1982

Hier sehen Sie die Jugendkapelle Waidhofen an der Thaya auf einer Fotografie aus dem Jahr 1982. Links im Bild mit ihrem letzten Kapellmeister Werner Kainz, der anschließend in St. Marein bei Neumarkt, Bezirk Murau in der Steiermark eine Anstellung als Kapellmeister annimmt, und Waidhofen leider verlässt.

Auch die Neugründung mehrerer Blaskapellen in benachbarten Gemeinden hat in dieser Zeit zu einem erheblichen Mitgliederschwund beim Blasorchester geführt, sodass die Jugendkapelle daraufhin mit dem Blasorchester zusammengelegt wurde.

1983: Erster Besuch der MK aus Heubach in Waidhofen
1985: Eröffnung des Waidhofner Stadtsaales
1986: Neuer Probenraum im Hochparterre der Pieringfabrik
1987: Erstes Oktoberfest im Stadtsaal wird veranstaltet
1988: Marschfigureinlage beim Drogistenball in Hübners Kursalon
1988: Feier mit unserem Bürgerkorps "100 Jahre Fahne"
1990: 1. Konzert in der "neuen" tschechischen Partnerstadt TELC
1991: 40 Jahre Blasorchester Waidhofen, Herausgabe einer Festschrift
1993: Endlich können wir nach langer Wanderung ein geeignetes Probelokal im Kulturschlössl beziehen. Hier ist jetzt auch die Musikschule untergebracht.

Kpm. Preisl mit Juniorband & Friends beim Osterseminar 1999

1998: Gründung der "Juniorband", 1. Konzert am 25.4.1998
1999: Das Blasorchester geht unter dem Motto "Blasmusik zum Anfassen" in die Waidhofner Volksschule um verstärkt für Nachwuchs zu werben. Der Erfolg dieser Aktion ist derart überwältigend, daß zahlreiche Instrumente vom Verein neu angekauft werden müssen, um den Bedarf abzudecken.

Am 12. Mai 2000 fand zum zweiten Mal "Blasmusik zum Anfassen" mit großem Erfolg statt.

Unter den über 40 aktiven Musikern (-innen) befinden sich nach wie vor einige Musiker der 1. Stunde; 5 aktive Musiker sind geprüfte Blasorchesterdirigenten (Ehrenkapellmeister: Dir. Karl Zlabinger, Kpm. Hauptschuldirektor Johann Stumvoll, Günther Bogg, Hermann Michael Preisl, Gerold Wagerer). Auch Rainer Mario Haidl (studiert am Schubert Konservatorium, Musikalischer Leiter der Bigband Waidhofen und Dirigent des Salonorchesters Pro Musica) profiliert sich seit einigen Jahren auch zu einem vielerorts beachteten Dirigenten.

Bereits seit 1952 beteiligten wir uns an Konzertwertungspielen des Österr. Blasmusikverbandes, dabei wurden wir bis zum Jahr 2000 von den Bewertungsrichtern 31 mal mit "1. Rang mit Auszeichnung" beurteilt.

Alle möglichen Ehrenpreise des NÖ Landeshauptmannes für erreichte Auszeichnungen in ununterbrochener Reihenfolge besitzen wir bereits. "Ausgezeichnet" schnitten wir auch bei allen Marschmusikbewertungen ab, an denen wir seit 1957 teilnahmen.

Selbstverständlich ist diese Aufzählung nur ein kleiner Auszug von Aufzeichnungen, die unsere Chronisten im Lauf der Zeit festgehalten haben. Unsere handgeschriebenen Chroniken und Festschriften umfassen mehrere hundert Seiten.

Wir können hier nicht alles wiedergeben, was seit Gründung des Orchesters alles geschehen ist. Es gäbe noch Tausende schöner Erinnerungen, aber auch ernster und schmerzlicher Dinge zu berichten, sowie Hunderte an Fotos zu zeigen. Wir wollen es vorerst bei oben geschilderten Ereignissen belassen.