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1. Von den Anfängen bis 1950

 

Als Urheimat der europäischen Musik darf Vorder- und Mittelasien angenommen werden. Von hier übernahmen die antiken Kulturen viele Formen der Musik und diese blieben teils bis ins frühe Mittelalter. Mit Vorbehalt darf angenommen werden, dass Kreuzfahrer als wichtigste Instrumente Laute, Oboe und Trompete mitbrachten. Diese Instrumente wurden im Abendland verbessert; die Blasinstrumente und später die Saiteninstrumente wurden in verschiedenen Größen gebaut, dann besonders um 1700 technisch und klanglich fortentwickelt. So z. B.: die Querflöte, Oboe, Fagott und Waldhorn. Um 1750 erschien die Klarinette. Das 19. Jahrhundert fand weitere technische Lösungen. Es entstanden zusätzliche Klappen bei Holzblasinstrumenten und Ventile, die seither das chromatische Spiel der Blechblasinstrumente ermöglichen.

Die Blasmusik erhielt ihren stärksten Impuls von der Militärmusik. Schon Türken und Janitscharen hatten ihre Art von "Militärmusik". Pfeiffer und Trommler gab es bald in jedem Heer. Später gab es Feldtrompeter. Die freie ritterliche Zunft der Feldtrompeter und Heerpauker achtete sorgsam auf ihre Privilegien und ihre hohe gesellschaftliche Stellung, denn nur ihnen war es erlaubt, die "edlen" Instrumente Trompete und Pauke zu spielen. Kein ehrlicher Trompeter durfte bei Verlierung der Kunst (und Gunst seines Brotgebers) mit den Stadtpfeifern und Turmbläsern (Thürmern) bei Festlichkeiten und dergleichen blasen.

Neben dieser Zunft, für die eine bestimmte Ausbildung und Lehrzeit vorgeschrieben war, entwickelte sich im Mittelalter mit den Zünften ein weiterer Musikerstand. Während Gaukler und fahrende Sänger "vogelfrei" waren, genossen die in städtischen  und fürstlichen Diensten stehenden Pfeiffer und Trommler besondere Rechte. 

Stadt Waidhofen a. d. Thaya, Niederösterreich, Pfarrkirche

In Waidhofen a. d. Thaya ist erstmals im Jahre 1454 eine Musikantenzeche erwähnt. Im Jahr 1662 begann in Waidhofen eine Bruderschaft der Spielleute bei der Pfarrkirche einen Jahrestag zu feiern, diese bestand noch 1709.

Die Entwicklung der Blasmusik erfolgte in Waidhofen ohne Zweifel aus dem 1596 erstmals genannten Schützenverein. Er war eine Körperschaft zur Pflege des Schießwesens und der Stadtverteidigung und hatte ähnliche Einrichtungen wie die Zünfte.  Während des Dreißigjährigen Krieges vollzog sich die Umwandlung des Schützenvereines zu einem Bürgerkorps. Die Statuten bestimmten, dass jeder körperlich geeignete Bürger im Korps zu dienen habe. Später wurde diese Bestimmung nicht so streng gehandhabt und schließlich bestand die Aufnahme ins Bürgerkorps nur durch freiwilligen Eintritt. Das Bürgerkorps rückte bei allen  offiziellen Feiern der Stadt aus. Vor 1914 betrug die Stärke 70 Mann. 

Aus alten Urkunden geht hervor, daß bei der ersten Chargenwahl im Jahr 1798 Anton Fetzmann als "Pfeifer" und Leopold Winngler als "Trummler" genannt werden. Diese sind auch auf einer alten Schießscheibe aus 1799 zu sehen.Im Jahr 1846 wird erstmals Josef Swoboda als Kapellmeister und Leopold Hammerer als Korpstambour der Korpsmusik genannt. Ausdrücklich wird in alten Dokumenten erwähnt, dass die Musikkapelle dem Korps ein "schweres Geld" kostet, da deren Mitglieder zum größten Teil nicht ortsansässig sind.

1891 fanden im Waldviertel die "Kaisermanöver" statt und brachten große Aufregung in das friedliche Waidhofen. Am 2. September marschierte das privilegierte und uniformierte Bürgerkorps in Schwarzenau zur Ankunft des Kaisers auf.  Der gute Eindruck, den das Korps in jener Zeit machte, war nicht zuletzt auf die Musikkapelle zurückzuführen, die unter den beiden Kapellmeistern Bittermann und Döller Großes leistete. Oft wurde damals anerkannt, dass die nur zwei Dutzend Mann starke Bürgerkorpskapelle, was Schönheit des Spiels anlangte, sich ganz gut mit den Regimentskapellen der benachbarten Garnisonen messen könne.

Lambert Biedermann, letzter Kapellmeister der Buergerkorpskapelle, Foto um 1890

Nach dem 1. Weltkrieg lebte das uniformierte und privilegierte Bürgerkorps der Stadt Waidhofen/Thaya (samt Korpsmusikkapelle) noch einmal mit ca. 40 Mann auf, in Zeiten politischer Hochspannung wurde es im Jahr 1933 auf Anordnung der NÖ Landesregierung aufgelöst. Letzter Kapellmeister war Lambert Biedermann.

In der Zwischenkriegszeit baute Otto Hergl eine Musikkapelle auf. Er kam aus dem 2. Weltkrieg nicht zurück und mit ihm fielen zahlreiche seiner Musiker auf den Schlachtfeldern. Ein Großteil der Noten und Instrumente verschwand in den bewegten Tages des Jahres 1945.

Kapelle Hergl,  Aufnahme aus der Zwischenkriegszeit

Nachdem wieder ruhigere Zeiten eingekehrt waren, bemerkte man des öfteren das Fehlen einer Musikkapelle. Der Stadtpfarrer Dechant Rudolf Winglhofer wollte den schönen Brauch des Turmblasens wieder aufleben lassen. Am Heiligen Abend 1946 erklangen erstmals nach dem großen Völkermorden Weihnachtslieder vom Turm unserer Kirche. Unser ehemaliger Posaunist Dr. Hellmut Zlabinger (+ 2009, damals noch stud med. vet.) blies sie auf einer Trompete in die frostkalte Nacht. In den folgenden Jahren erklangen die Turmweisen bereits im Quartett, später im Sextett.

Als nach dem Turmblasen 1950 von Dechant Winglhofer und Hr. Walter Grießel vorgeschlagen wurde, dieses Bläsersextett (Johann Gegenbauer und Hellmut Zlabinger auf der Trompete, Josef Mölzer und Walter Grießel am Horn, Karl Zlabinger auf der Posaune und Dechant Rudolf Winglhofer mit dem Helikon) bis zum nächsten Weihnachtsfest nicht wieder ruhen zu lassen, sondern eher noch zu erweitern, bedurfte es wohl nur mehr dieses letzten Anstoßes, um den Grundstock zur Gründung des Blasorchesters zu legen.